Haferlschuhe – der Lieblingsschuh zur Tracht
Wer Wert auf einen authentischen Trachten-Look legt, trägt Haferlschuhe zur Lederhose. Aber woher kommt der Trachtenschuh überhaupt und wie trägt man ihn richtig?
Was sind Haferlschuhe?
Haferlschuhe heißen die traditionellen Trachtenschuhe für Herren. Charakteristisch sind fünf Merkmale, die jeweils einen praktischen Kniff haben:
- Die kantige Schuhspitze bietet dem Fuß viel Platz und engt die Zehen nicht ein.
- Die seitliche Schnürung ermöglicht ein schnelles An- und Ausziehen.
- Die Staublasche verhindert das Eindringen von Schmutz, Steinchen und Nässe.
- Der hochgezogene Fersenteil sorgt für sicheren Halt.
- Der tiefe Ausschnitt am Knöchel gibt dem Fuß maximale Bewegungsfreiheit.

Ursprünglich stammen die Haferlschuhe aus dem Allgäu
Ursprünglich stammen die Haferlschuhe aus dem Allgäu, wo sie 1803 in Oberstdorf vom Schuhmacher Franz Schratt als bequemer Schuh für Bauern, Holzfäller und Jäger erfunden wurden. Das robuste Leder sollte die anspruchsvollen Arbeiten auf dem Feld, am Berg sowie längere Wanderungen aushalten. Vor allem waren die Lederschuhe eine praktischere Alternative zu den vorigen Holzschuhen.
Ganz klassisch sind Haferlschuhe in Schwarz oder Braun, aus Glattleder oder Wildleder erhältlich. Manche Modelle sind mit Stickereien veredelt, andere haben Schnallen oder Haken.
Woher kommt der Begriff Haferlschuhe?
Warum der Haferlschuh so heißt, ist nicht eindeutig belegt. Möglicherweise erinnerte die ursprüngliche Form an ein „Haferl“, bayerisch für „Tasse“ oder „Topf“. Eine weitere Theorie führt die Bezeichnung auf die Touristen aus England zurück, die im 19. Jahrhundert gerne die Alpenländer besuchten. Die könnten den Haferlschuh als „half shoe“, also „Halbschuh“ bezeichnet haben. Das praktische knöchelfreie Schuhwerk mit großer Bewegungsfreiheit fand auch bei ihnen großen Anklang als Alternative zu den damals üblichen Stiefeln oder Boots.
Warum werden Haferlschuhe seitlich gebunden?
Die seitliche Schnürung ermöglicht ein schnelles Rein- und wieder Rausschlüpfen in und aus dem Arbeitsschuh. Hast Du die Schleife einmal gebunden und den Schuh optimal angepasst, brauchst Du sie nicht jedes Mal beim An- und Ausziehen wieder binden. Obendrein verhindert die seitliche Schnürung Druckstellen am Rist und gibt dem Fuß im bergigen Gelände mehr Bewegungsfreiheit.
Wie binde ich meine Haferlschuhe?
Typisch für Haferlschuhe ist die Parallelschnürung. Daher bindet man – wenn man sich an die traditionelle Technik halten möchte – nicht einfach eine Schleife wie bei normalen Schnürschuhen:
- Mit dem Schuhband, das näher an der Staublasche liegt, formst Du eine Schlaufe.
- Dann legst Du das andere Schuhband drüber und fädelst das Ende von hinten zwischen den beiden Schnürsenkelansätzen durch.
- Dann führst Du das Ende noch einmal hinter der Schlaufe nach vorne durch, ohne das Band festzuziehen. Dadurch entsteht eine Schlinge.
- Nun formst Du aus dem langen Ende die zweite Schlaufe, die Du durch die zuvor entstandene Schlinge schiebst – und fertig ist die Haferlschuh-Schleife.
Beim ersten Versuch helfen Dir Anleitungsvideos aus dem Internet
Beim ersten Versuch helfen Dir Anleitungsvideos aus dem Internet. Sobald Du den Dreh raushast, ist das Haferlschuhebinden ganz einfach.
Welche Alternativen gibt es zu Haferlschuhen?
Die einen schwören auf ihre Haferlschuhe, die anderen werden damit nicht ganz warm. Kannst Du Dich absolut nicht mit den Trachtenschuhen anfreunden, haben sich heutzutage auch andere Alternativen zur Tracht etabliert, allen voran Bergstiefel, Boots und Sneakers. Da sich letztere gerade bei jüngeren Männern durchgesetzt haben, gibt es inzwischen auch schicke Trachten-Sneakers zu kaufen, die besser zur Tracht passen als die alltäglichen Laufschuhe.

Wie trage ich Haferlschuhe richtig?
Haferlschuhe sind das i-Tüpfelchen zur Tracht und machen den Trachten-Look perfekt. Ganz klassisch werden Haferlschuhe zur kurzen, langen oder Kniebund-Lederhose getragen. Dazu gehören grobgestrickte Trachtensocken oder Loferl.
Wie pflege ich meine Haferlschuhe?
Wer einmal ein bequemes Paar Haferlschuhe gefunden hat, gibt sie so schnell nicht mehr her. Umso wichtiger ist die richtige Pflege der Schuhe, damit sie möglichst lange halten. Hier kommt es jedoch auf das Leder an: Sind Deine Haferlschuhe aus Glattleder oder Wildleder gefertigt? Entsprechend brauchst Du ein spezielles Lederpflegeprodukt. Was für alle Haferlschuhe gilt:
Tipps zur Pflege von Haferlschuhen
- Sind die Schuhe nass geworden, lässt Du sie mit Zeitungspapier ausgestopft an der Luft trocknen, aber nicht zu nah an einer Heizung.
- Groben Schmutz lässt Du trocknen und entfernst ihn mit einer Lederbürste.
- Das Leder sollte regelmäßig gepflegt werden, z.B. mit Lederfett.
- Durch die Aufbewahrung mit Schuhspannern behalten die Haferlschuhe ihre Form.
Übrigens: Das Leder darf ruhig nachdunkeln, denn eine gewisse Patina ist durchaus erwünscht und macht den authentischen Look der Haferlschuhe aus.
Was mache ich, wenn die Haferlschuhe drücken?
Neue Haferlschuhe können beim ersten Tragen schon einmal drücken. Deshalb die Empfehlung: Trage Deine neugekauften Haferlschuhe vor dem ersten Volksfest- oder Oktoberfest-Besuch ausgiebig ein. Das geht beispielsweise mit dicken Socken, mit denen Du in die Trachtenschuhe schlüpfst und zu Hause herumläufst. Echtes, hochwertiges Leder wird mit dem Tragen weicher und passt sich dem Fuß an.